Jemanden eines Dachschadens zu bezichtigen ist schon ein handfester Affront. Doch manchmal findet man einfach keine besseren, einfühlsameren Worte für die Realität. Und so rutschte mir neulich beim Telefonat mit meiner Kundin dieser heikle Satz heraus: “Also Sie haben einen solchen Dachschaden, über den müsste man echt einmal einen Artikel schreiben!”.

Um zu erklären, warum ich so etwas sagte, müssen wir ein paar Tage bzw. Nächte zurückreisen in die ganz frühen Morgenstunden des 11. März 2019:

Tiefdunkle Nacht liegt über dem Industriegebiet von Schifferstadt. Die Ruhe, die hier sonst um diese Zeit herrscht, ist schon seit vielen Stunden einem unaufhörlichen Fauchen, Scheppern und Dröhnen gewichen. Der in den Medien und vom Wetterdienst angekündigte Sturm läßt in diesem Augenblick keinen Zweifel daran, dass die seinetwegen ausgesprochene amtliche Unwetterwarnung keine Übertreibung und absolut notwendig war. Abgerissene Äste, zerfetzte Planen und alles andere, was dem Sturm nicht standhalten konnte, wirbelt ziellos über die Grundstücke und Straßen. Regen ergießt sich schwallartig über die apokalyptische Szenerie. Die Naturgewalten scheinen alles in seine kleinsten Bestandteile zerschießen, zerfetzen und zerreissen zu wollen.

Hätte sich in dieser Nacht ein Mensch hier heraus gewagt und wäre genau in diesem Moment an der großen Halle in der Carl-Benz-Str. Nr. 18 entlanggelaufen, wäre es ihm durch Mark und Bein gegangen. Ein plötzliches, verstörendes Kreischen! Lauter noch als alles andere in dieser Nacht. Kurz darauf ein unheimliches Ächzen und Krachen. Warum? Woher? Das hätte sich unserem nächtlichen Beobachter wohl nicht erschlossen. Er hätte vielmehr die Beine in die Hand genommen, um sich einfach nur schnell in Sicherheit zu bringen.

Speyer, 11. März 2019, 6:10 Uhr: Bei Jürgen Dres klingelt das Telefon. Sein Mitarbeiter aus der Frühschicht meldet sich hörbar aufgeregt: “Chef, wir haben ein Problem!”.

Kurze Zeit später steht Dres bereits in seiner Lagerhalle in Schifferstadt und blickt, den Kopf weit im Nacken, entsetzt zur Decke. Auf einer Fläche von über 200 qm hat der Sturm das Dach in der vergangenen Nacht hochgeklappt. Es ist zum Glück nicht gänzlich weggerissen, sondern weitestgehend zurückgefallen in die Ausgangslage. Dennoch ist das Leck groß genug, dass der reichlich niegergegangene Regen seinen Weg in die Halle gefunden hat.

Die Werks- und Lagerhalle der Dres GmbH in Schifferstadt am Tag nach dem Sturm. (Quelle: Dres GmbH)

Hier lagern zigtausende fertiger Faltschachteln aus Vollpappe, die das Familienunternehmen Dres seit 1950 in mittlerweile 4. Generation produziert und ins gesamte Bundesgebiet liefert. Zuletzt waren es rund 47 Millionen Stück im Jahr. Gedruckt und gestanzt wird in der Firmenzentrale in Speyer, gefaltet und bis zur Auslieferung gelagert wird am wenige Kilometer entfernten Standort Schifferstadt, wo im vergangenen Jahr die 1.400 m2 große Halle eröffnet wurde.

In der Halle der Dres GmbH in Schifferstadt lagern zigtausende fertig produzierter Faltschachteln aus Vollpappe, die auf ihre Auslieferung warten. (Quelle: Dres GmbH)

Bei solchen Produktionsmengen hätte ein solcher Dachschaden eine ziemlich verheerende Wirkung haben können. Aber die Familie Dres hat noch nie etwas dem Zufall überlassen. Die fertigen Erzeugnisse lagerten – wie üblich – wasserfest verpackt auf Holzpaletten und blieben trotz Wassereinbruch unbeschädigt. Versichert sei man, so berichtet mir Juniorchefin Nathalie Dres kurze Zeit nach dem Sturm am Telefon, gegen so ziemlich jedes Naturereignis. Die Dachdecker waren zu diesem Zeitpunkt bereits bei der Instandsetzung, die Versicherung hatte sofort grünes Licht gegeben. Die wichtigsten Unternehmens- und Produktionsdaten sind Dank einer vorausschauenden Digitalstrategie von Dres dezentral, also außerhalb der Firmengebäude gespeichert und vernetzt. Zwischen Speyer und Schifferstadt lief die Arbeit also unterbrechungsfrei weiter. Frau Dres konnte daher über meine Idee, einen gleichlautenden Artikel über Ihren Dachschaden zu schreiben, bereits zustimmend lachen.

Direkt nach meinem Telefonat gehe ich in den Raum, wo der Serverschrank unserer Firma steht.

Dort blicke ich nachdenklich nach oben an die Decke und lasse in meinem Kopfkino einen Wasserfall entstehen, der unsere Technik überflutet. Auch bei uns liegen die wichtigsten Daten auf geschützten Systemen außerhalb unserer Räumlichkeiten und wären in einem solchen Fall nicht direkt betroffen. Aber es ist wohl nie verkehrt, die eigenen Vorkehrungen und Verhaltensweisen immer mal wieder zu hinterfragen. Ach ja, und anschließend werfe ich dann nochmal einen Blick in unsere Versicherungspolicen, in der Hoffnung, sie nie zu brauchen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein sicheres und störungsfreies Wirtschaften!

Herzlichst, Ihr Oliver Sonntag


P.S. Ich bedanke mich bei der Familie Dres für die Beantwortung all meiner neugierigen Fragen und für die Erlaubnis zur Nutzung der Fotos!


Fotos des Dachschadens am Tag nach dem Sturm (Quelle: Dres GmbH).